Vierzig Jahre. Vierzig Ausgaben. Ein kleines Dorf in NRW, das sich jedes Jahr selbst auf Papier bringt. Als mich der TuS Oberbrügge fragte, wusste ich: Das Vereinsmagazin gestalten, dazu auch noch zum 40-jährigen Jubiläum, wird kein normales Print-Design-Projekt. Das wird etwas Besonderes.
Was ist der TURBO überhaupt?
Der TURBO ist das Jahresmagazin des TuS Oberbrügge 1870 e. V. – einem Sportverein aus Oberbrügge-Ehringhausen, einem kleinen Golddorf im Märkischen Sauerland. Und ja: Ich wohne hier. Das ist also kein Auftrag von irgendwo – das ist mein Dorf.
640 Mitglieder, ein Dutzend Sportgruppen, jede Menge Vereinsleben – und das alles einmal im Jahr auf Papier.
Seit 40 Jahren. Das ist kein Selbstläufer. Das ist Tradition.
Und Tradition verdient Respekt. Mein Job war es nicht, alles umzuwerfen. Mein Job war es, dem TURBO einen frischen Look zu geben – einen, der zum Verein passt, der die Menschen darin würdigt und der trotzdem zeigt: Hier steckt professionelles Handwerk drin.

Das Besondere an diesem Projekt: Die Menschen dahinter
Lass mich direkt ehrlich sein – und das meine ich als echtes Kompliment: Der TURBO entsteht nicht in einer Redaktion mit festem Team, Redaktionsplan und Profi-Equipment. Er entsteht, weil ganz normale Menschen aus dem Dorf einfach mitmachen.
Trainerin Rekja schreibt über das Kinderturnen. Gudi aus der Ü-60-Gruppe erzählt von ihrer Dienstagstruppe. Die DieDas berichten von ihrem Ostsee-Ausflug. Nadine erklärt, wie ihre Bodyforming-Gruppe auf dem Schulhof entstand. Und Peter Seyfried, der 1. Vorsitzende, schreibt ein Vorwort, das man gerne liest.
Das ist das Herzstück dieses Projekts. Keine Ghostwriter, keine PR-Agentur – echte Menschen, echte Geschichten, echtes Dorfleben.
Meine Aufgabe war es, genau diesen Charakter zu bewahren. Den Amateur-Charme nicht wegzudesignen, sondern in Form zu bringen.

„Martin hat für den TuS Oberbrügge die neue, 40ste Ausgabe des Turbo, unserer 1 x jährlich erscheinenden Vereinszeitschrift, erstellt. Wir sind mit dem durch ihn erstellten, druckfertigen Layout ebenso hoch zufrieden wie mit der Zusammenarbeit. […] Besonders hervorzuheben ist seine planvolle und das Redaktionsteam stets mitnehmende geduldige und gelassene Herangehensweise.“
Peter Seyfried, 1. Vorsitzender TuS Oberbrügge
Die Herausforderung: Rohmaterial aus allen Ecken
Klingt simpel. Ist es aber nicht.
Wer schon mal ein Magazin gestaltet hat, weiß: Das fertige Heft ist das eine. Der Weg dahin ist das andere. Und der Weg beim TURBO hatte seine ganz eigenen Tücken.
Die Texte kamen in allen Qualitätsstufen. Manche waren richtig gut – klar, persönlich, mit echtem Charakter. Andere brauchten etwas mehr Liebe. Manche fehlten erst und kamen kurz vor Schluss. Das ist kein Vorwurf – das ist Vereinsalltag. Jeder macht das nebenbei, nach Feierabend, zwischen Kinderfahren und Einkaufen.
Die Fotos – das war meine große Extra-Challenge. Handy-Fotos, unterschiedliche Qualitäten, unterschiedliche Auflösungen. Manche super, manche eher nicht so sehr. Und das Schönste: Viele Bilder kamen ohne Namen, ohne Kontext, einfach in einem großen Ordner. Wer ist wer? Was zeigt das Bild? Wann war das?
Hier war echtes Einfühlungsvermögen gefragt. Bilder, die technisch nicht perfekt waren, haben trotzdem Geschichten erzählt – und genau das zählt in einem Vereinsmagazin. Ein leicht unscharfes Foto von strahlenden Kindern beim Kindersportfest schlägt jedes Stock-Foto. Das war mein Leitsatz durch das ganze Projekt.

Der Prozess: Struktur bringen, ohne die Seele zu verlieren
Zu Beginn stand ein Heftplan. Welche Sportgruppen bekommen Platz – und wie viel davon? Wer bekommt eine Doppelseite, wer eine halbe? Welche Ereignisse des Jahres müssen rein? Wo gibt es Interviews, wo Berichte, wo Termine? 44 Seiten wollen gefüllt sein – und das mit Sinn und System.
Ich legte Musterseiten an. Ein paar klare Grundregeln für Schriften, Farben, Abstände. Eine Struktur, die sich durchs Heft zieht – ohne dass man sie als Leserin oder Leser bewusst wahrnimmt. Genau das ist gutes Layout: Es fällt nicht auf. Es trägt einfach.
Dann begann das eigentliche Puzzeln. Jede Seite ist ein kleines Projekt für sich. Wie viel Text hat diese Gruppe geschickt? Wie viele Fotos gibt es – und in welcher Qualität? Passt das auf eine Seite oder braucht es zwei? Wo kann ich mit Typografie Akzente setzen, wo ein Foto groß rausstellen?
Das Schöne daran: Kein Spread sieht exakt wie der andere aus – und trotzdem fühlt sich das Heft wie ein Ganzes an. Das ist die Kunst beim Vereinsmagazin gestalten: Vielfalt in Form bringen.
Warum Print für einen Verein noch immer Sinn macht
Hast du schon mal eine Instagram-Story aus dem Jahr 2019 angeschaut? Wahrscheinlich nicht. Aber ein Vereinsmagazin aus dem Jahr 2019? Das liegt vielleicht noch irgendwo im Regal.
Print hat etwas, das digitale Medien nicht bieten können: Haptik, Beständigkeit und Konzentration. [2] Wenn der TURBO in den Briefkasten kommt, wird er aufgemacht. Durchgeblättert. Weitergereicht. Vorgelesen. Auf den Tisch gelegt und nochmal angeschaut.
Gerade für lokale Gemeinschaften ist das Gold wert. [1] Ein Printmagazin bündelt das Vereinsjahr, macht es greifbar und gibt ihm Gewicht. Es sagt: Was wir hier tun, ist es wert, festgehalten zu werden. Das ist eine Botschaft, die kein Facebook-Post der Welt so transportieren kann.
Und noch etwas: [3] Studien zeigen, dass wir uns besser an Inhalte erinnern, die wir auf Papier gelesen haben – weil wir beim Lesen haptische und visuelle Ankerpunkte setzen. Ein Vereinsmagazin ist damit auch ein Stück kollektives Gedächtnis. Der TURBO ist das für Oberbrügge-Ehringhausen seit 40 Jahren.

Das Ergebnis: 44 Seiten Dorfgeschichte
Am Ende stehen 44 Seiten, die zeigen, was in diesem Verein steckt. Interviews mit Vereinsurgesteinen wie Gesa und Caspar Steinbach, die seit Jahrzehnten dabei sind. Berichte über neue Gruppen wie den Kinder-Zumba, der beim Start gleich zwei Altersgruppen füllt. Infos zum 34. Cross & Quer. Ein Abschied von Kindertanz-Lehrerin Angela. Ehrungen, Gedenken, Termine – und eine Menge strahlende Gesichter.
Das Heft sieht gut aus. Nicht trotz der Amateurtexte und Handyfotos – sondern mit ihnen. Weil der TURBO genau das ist: ein Magazin von Menschen für Menschen. Und meine Aufgabe war es, das sichtbar zu machen.
Gedruckt hat es übrigens die Druckerei Müller aus Oberbrügge – direkt vor Ort. So familiär läuft das auf dem Dorf. Und so ließ ich es mir natürlich auch nicht nehmen, dabei zu sein, als der TuS Vorsitzende Peter die frisch gedruckten Magazine abholte!
Was du daraus mitnehmen kannst
Ob du selbst ein Vereinsmagazin gestalten willst oder überlegst, jemanden damit zu beauftragen – ein paar Dinge aus diesem Projekt sind universell:
Fang mit einem Heftplan an. Ohne Struktur wird aus einem Stapel Texte kein Magazin. Lege Musterseiten fest, bevor du anfängst zu bauen. Das spart am Ende enorm Zeit. Lass den Charakter deiner Leute drin – perfekte Hochglanzfotos sind nicht immer das Richtige. Und plane Puffer ein. Texte und Fotos kommen selten alle gleichzeitig und selten alle in derselben Qualität.
Am Ende ist es wie mit vielem im Leben: Kann man selbst machen, muss man aber nicht. Und wenn du Fragen hast – ich bin nur einen Anruf entfernt.
Bock auf ein eigenes Projekt?
Du bist in einem Verein, einer Initiative oder einem lokalen Unternehmen und hast das Gefühl, eure Geschichte verdient mehr als einen schnellen Facebook-Post? Dann lass uns reden. Ich helfe dir dabei, aus Inhalten ein echtes Druckstück zu machen – mit Herz, mit System und ohne unnötigen Schnickschnack.
